unkultur im niemandsland

down.under 2002-2012

down.under, das Magazin der Unkultur im Niemandsland, ist Geschichte. Mit dem Niemandsland wurde seinerzeit, das war Ende 2002, der Raum Ostsachsen umrissen. Ein Niemandsland ist es in dem Sinne weiterhin, dennoch kann hier nicht von einer trostlosen Steppe gesprochen werden, in der nur wenige Gewächse existieren. Im Gegenteil, die (sub)kulturelle Reichhaltigkeit, die sich bei gründlicherem Stöbern und tieferem Graben auftut, ist enorm. Stets und ständig war das Anliegen des Heftes, die Vielfalt einer Region wie Ostsachsen auch transparent, eben begehbar zu machen.

Seinerzeit, also 2002, als das down.under-Geschehen begann und einige wenige Klubs, die sich Live-Musik auf die Fahnen geschrieben hatten, in einer Runde zusammensaßen, um nach Kooperation statt Konkurrenz zu trachten, entwickelte sich eine Idee zu einem zehn Jahre währenden Projekt. Das erste Heft, noch ein gestalterisches Verbrechen, erschien handkopiert und in kleiner Auflage im Dezember 2002 und zeigte die Marschrichtung an. Die teilnehmenden Klubs, noch überschaubar in der Zahl, präsentierten sich auf eigenen gestalteten Seiten mit dem Programm der kommenden zwei Monate. Aufgewertet wurde künftig jedes Heft mit Interviews, Berichten aus Nah und Fern und Nonsens. Außerdem gehörte von Anfang an die Rubrik debil fest zum Bestandteil eines jeden Heftes.

Kontinuierliches Arbeiten auch in Krisenzeiten ermöglichte das stabile Erscheinen in einem zweimonatigen Rhythmus in den nächsten zehn Jahren. Mit der Zeit wuchs die Anzahl der Klubs, die teilnahmen, freie Veranstalter gesellten sich hinzu, die Fülle der Angebote und Veranstaltungen im Raum Ostsachsen und drumherum mehrte sich. Auch die Gestaltung wurde von Heft zu Heft besser, ohne sich aber davon hinreißen zu lassen, hier von einer Professionalität zu sprechen. Inhaltlich drehte sich von Anfang bis Ende alles um das Thema Subkultur im musikalischen Rahmen - Mainstream und Lifestyle wurden rigoros ausgeklammert, denn die verlogene Schönheit und schreiende Oberflächlichkeit der Generation Spaß gehörten nicht ins down.under, fanden aber dennoch (un)dank einiger Hintertürchen partiell statt.

Das Heft erschien immer kostenlos für den Endverbraucher, wurde in den teilnehmenden Klubs ausgelegt und auch, zumindest in den letzten Jahren, im Web als pdf zur Verfügung gestellt. Von Anfang an war die Arbeit am Heft komplettes Ehrenamt. Was wäre aber aus dem down.under geworden, hätte es finanzierte Personalstellen gegeben? Wir werden es nicht mehr erfahren.

Mit der Zeit, mit den Jahren, kristallisierten sich die Schwierigkeiten bei der Erstellung eines jeden Heftes immer weiter heraus: Teilnahme, Engagement, Finanzierung, Zeit. Trotz dem es einen festen Kern an helfenden Händen und stetigen Beiträgen gab, schlossen sich die inhaltlichen und finanziellen Lücken teils immer schwerer. Junges Blut fehlte zudem im Heft. Die fehlende Zeit, die bei den treibenden Kräften mittlerweile für Erwerbsarbeit und andere Prioritäten verwandt wurde, zum Anlass genommen, ließen die Macher das down.under zum runden zehnjährigen Jubiläum ausklingen. Sechzig Ausgaben Subkultur in Ostsachsen waren mit der Dezember-Ausgabe 2012 erreicht - und sprachen in ihrer Gesamtheit ein mächtiges Wort in Sachen regionaler Kulturgeschichte mit. Zeiten ändern sich - Interessen variieren, Kommunikationswege verschieben sich, neue Generationen mit völlig anderen Ansichten treten hervor. Veränderung gehört dazu, gerade in einem so flexiblen und schlecht fassbaren Gebilde wie einer regionalen Subkultur. Was das down.under gebracht hat, wissen wir vielleicht - was ohne dem Heft passieren wird, werden wir sehen. Auf alle Fälle geht’s weiter, so oder so.

Dank noch einmal allen helfenden und mitwirkenden Händen. Ohne Euch wäre das Projekt kaum zustande gekommen und hätte nicht lange überlebt.

Karsten Richter aka Tuomar im August 2013